IT-Sicherheitsbranche und Wirtschaftsverbände fordern Milliardeninvestitionen

Die im Bundesverband IT-Sicherheit e.V. (TeleTrusT) organisierte IT-Sicherheitsbranche fordert die regierungsbildenden Parteien auf, ein jährliches Budget von mindestens 1 Milliarde Euro für die Stärkung der Cybersicherheit von Behörden und Wirtschaft in den Koalitionsvertrag aufzunehmen. Mit dem Geld sollen dringend erforderliche finanzielle und organisatorische Maßnahmen ermöglicht werden, die das Cybersicherheitsniveau in Unternehmen und Behörden deutlich erhöhen. Der Verband begründet seine Forderungen mit der zunehmenden Digitalisierung in allen Branchen und der gleichzeitig unzureichenden Ausstattung von Behörden und Wirtschaft hinsichtlich der Absicherung ihrer IT-Systeme.

Die digitale Agenda der bisherigen Bundesregierung hat zwar die politischen Handlungsstränge für die digitale Transformation formuliert. Konkrete Ziele und Umsetzungspläne bezüglich Cybersicherheitsstrategien von Behörden und Wirtschaft sind jedoch nicht in Sicht. Für eine deutliche Erhöhung des Cybersicherheitsniveaus sind daher konkrete Schritte und Maßnahmen erforderlich, die über Regulierungen hinausgehen.

Mit der geforderten Investition von 1 Milliarde Euro jährlich würde der digitale Standort Deutschland nachhaltig attraktiver werden – auch für ausländische Investoren. Denn Investitionen in Cybersicherheit wirken flächendeckend auf die Verfügbarkeit aller digital vernetzten Infrastrukturen. Gleichzeitig würde die neue Bundesregierung die Chance nutzen, die eigene IT-Sicherheitswirtschaft zu stärken und europäische und internationale Kooperationsprojekte aufzubauen.

Die Industrie unterstützt die Forderungen von TeleTrusT. Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der Geschäftsführung des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI): „Cybersicherheit ist ein entscheidender Faktor für die zukünftige internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Elektroindustrie. Unsere Lösungen für Industrie 4.0, intelligente Energienetze, digitalisierte Gesundheitswirtschaft, Smart Home und autonomes Fahren werden sich nur dann durchsetzen, wenn sie sowohl innovativ als auch cybersicher sind. Die nächste Bundesregierung muss Cybersicherheit deshalb zu einem Schwerpunkt ihrer Politik machen.“

TeleTrusT-Vorsitzender Prof. Norbert Pohlmann ergänzt: „Nachhaltige Digitalisierung kann nur mit umfassender IT-Sicherheit gelingen. Denn gezielte Attacken auf die IT-Systeme können ganze Wirtschaftszweige manipulieren oder gänzlich lahmlegen. Die bisherige Umsetzung der IT-Sicherheitsstrategien ist in Deutschland allerdings unzureichend. Um das Sicherheitsniveau zu erhöhen, sind dringend Investitionen seitens des Bundes notwendig.“

TeleTrusT fordert daher folgende Maßnahmen:

– Personelle Stärkung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik“ (BSI) – Zulassungs- und Zertifizierungsverfahren müssen beschleunigt werden, um so nachweislich sichere digitale Prozesse, Produkte und Lösungen schneller den Anwendern zur Verfügung stellen zu können. Auch Beratung und Unterstützung von Behörden und Wirtschaft müssen ausgebaut werden, damit diese sich im Vorfeld oder bei akuten Angriffen besser schützen können.

– Neue Anreizsysteme, mit denen Behörden und Unternehmen die vom BSI empfohlenen, dem Stand der Technik entsprechenden IT-Sicherheitsmaßnahmen aufbauen können

– Erhöhung des BSI-Budgets für die Entwicklung neuer gesamtwirtschaftlicher und staatlich erforderlicher Basis-Sicherheitsprodukte

– Etablierung breiter Programme für Wirtschaft und Behörden, um die vorhandenen Cybersicherheits-Lösungen der deutschen IT-Sicherheitswirtschaft besser bekannt zu machen

– Investitionen in Kooperationsprogramme zwischen Anwendern und Industrie – Bei der Erarbeitung von innovativen Lösungen, Maßnahmen und Produkten rund um die Cybersicherheit sollten verstärkt Synergien zwischen Anwendern und IT-Sicherheitsindustrie genutzt werden. Usability- und Betriebsanforderungen großer IT-Architekturen müssen zudem an den Bedürfnissen des Mittelstandes ausgerichtet werden.

Zum Vergleich: Großbritannien hat in seiner aktuellen nationalen Cybersicherheitsstrategie beschlossen, in den nächsten fünf Jahren rund zwei Milliarden Euro in Cybersicherheit zu investieren, bei einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 2,2 Billionen Euro im Jahr 2016. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt lag im gleichen Jahr bei etwa 2,94 Billionen Euro, Tendenz steigend. Die Zielsetzung der neuen Bundesregierung müsste also höher liegen, um Europa hinsichtlich Cybersicherheit wegweisend zu gestalten.

 

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Sicherheits-Fachfirmen mit Geschäftslage äußerst zufrieden

Die Herbst-Konjunktur-Umfrage des BHE Bundesverband Sicherheitstechnik e.V. bestätigt die vor Kurzem veröffentlichte, gute Umsatzprognose für 2017. Die deutschen Facherrichter zeigen sich äußerst zufrieden mit der Entwicklung im Sicherheitsmarkt und vergaben in zahlreichen Kategorien neue Best-Noten. Einziger Wermutstropfen ist die angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt – immer weniger Fachfirmen können ihren Bedarf an qualifiziertem Personal decken.

„Die Stimmung am Markt ist insgesamt sehr positiv. Dies spiegelt sich auch in der guten Benotung der derzeitigen Geschäftslage mit einem Wert von 1,83 auf der Schulnotenskala wider. Rund 30 Prozent aller Befragten haben ihre momentane Auftragslage sogar als ‚sehr gut‘ bezeichnet“, so Dr. Urban Brauer, Geschäftsführer des BHE.

Die gewerbliche Kundengruppe konnte weiter stark zulegen und machte einen deutlichen Sprung zur neuen Bestmarke von 1,76. Auch bei den Behörden hält die positive Entwicklung an. Die Geschäftslage in dieser Kundengruppe konnte sich in den letzten Jahren von der Note 2,90 auf mittlerweile 2,50 verbessern. Lediglich der private Sektor ist mit einem Wert von 2,48 leicht rückläufig. Trotzdem gehört der erzielte Wert zu den Top 5 der letzten Jahre.
Der Rückgang im Privatbereich ist auch ursächlich dafür, dass die Einbruchmeldetechnik insgesamt geringfügig schwächer beurteilt wird als in den vergangenen beiden Jahren. Alle anderen Sparten erzielten hingegen neue Rekordwerte. Besonders stark zulegen konnten die Zutrittssteuerung (2,11) sowie die Rauch- und Wärmeabzugsanlagen, die mit 1,8 erstmals einen Wert unter 2,0 erhielten.

Insgesamt blicken die Fach-Errichter durchaus positiv in die Zukunft und beurteilen die künftige Geschäftslage mit 1,97. 78 Prozent der befragten Unternehmen vergaben hierbei die Note „gut“.
Aufgrund dieser Aussichten würden 63 Prozent der Betriebe gerne neues Personal einstellen. Der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen des BHE. Und kein einziges Unternehmen plant Entlassungen.

Dr. Franz Feuerstein für sein Lebenswerk geehrt

Dr. Franz Feuerstein, ehemaliges Präsidiumsmitglied und Ehrenmitglied der Landesgruppe Sachsen im BDSW, wurde im November mit dem Outstanding Security Performance Award für sein Lebenswerk geehrt. Dr. Feuerstein engagierte sich in seiner Amtszeit vor allem für die Verbesserung der Qualität der Sicherheitsdienstleistung und die Ausbildung im Sicherheitsgewerbe. Unter seiner Leitung wurde die DIN 77200 „Anforderungen an Sicherungsdienstleistungen“ erarbeitet und am 12. Juni 2002 der Öffentlichkeit vorgestellt. Auf Grundlage der deutschen Norm wurden im Jahr 2004 die Weichen für die Erarbeitung einer europäischen CEN-Norm „Security Services“ gestellt. „Ich freue mich, dass das außergewöhnliche ehrenamtliche Engagement von Franz Feuerstein für die Qualitätssteigerung in der Sicherheitswirtschaft von einer hochkarätig besetzten Jury gewürdigt wurde. Im Namen des gesamten BDSW gratuliere ich ihm zur Verleihung des Preises für sein Lebenswerk“, so BDSW Präsident Gregor Lehnert. Der OSPA ist ein Preis für außergewöhnliche Sicherheitsdienst­leistungen, der in 7 Ländern nach einheitlichen Vorgaben und in Deutschland zum dritten Mal vergeben wurde.

Dr. Franz Feuerstein (links) und BDSW Präsident Gregor Lehnert

BSI zur IT-Sicherheit in Deutschland 2017

Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière und BSI-Präsident Arne Schönbohm haben in Berlin den Bericht des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zur Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2017 vorgestellt. Die Gefährdungslage im Berichtszeitraum Juli 2016 bis Juni 2017 ist weiterhin auf hohem Niveau angespannt. Bekannte Einfallstore für Cyber-Angriffe bleiben unverändert kritisch bestehen. Vor allem die gestiegende Zahl an IT-Sicherheitsvorfällen mit Erpressungssoftware (Ransomware) zeigt, dass Cyber-Kriminelle hier eine lukrative Möglichkeit gefunden haben, in großem Umfang Geld zu erpressen. Zudem spielt auch der „Faktor Mensch“ eine zunehmende Rolle: Phishing-Angriffe, bei denen gezielt einzelne Mitarbeiter oder Unternehmen adressiert wurden, sind häufiger als in den letzten Jahren zu beobachten. Insbesondere durch die Masche des CEO-Betrugs (CEO Fraud) konnten Angreifer hohe Schadenssummen verursachen. Intensive Sensibilisierung der Mitarbeiter sowie die technische und organisatorische Absicherung von internen Prozessen schaffen hier Abhilfe.

Die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung führen zu Effizienzsteigerungen durch vereinfachte Prozesse, zu mehr Transparenz und zu mehr Komfort im Alltag. Gleichzeitig steigt das Bedrohungspotenzial deutlich an, da sich die Anzahl möglicher Angriffspunkte erhöht und die zu verarbeitenden Datenmengen sich vervielfachen. Die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Angriffe auf digitalisierte Infrastrukturen wird damit größer. Das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) entwickelt sich immer mehr zu einer Gefahrenquelle für die IT-Sicherheit. Dazu trägt entscheidend bei, dass IoT-Geräte einfach angreifbar sind, weil deren IT-Sicherheit derzeit weder bei der Herstellung noch bei der Kaufentscheidung des Kunden eine ausreichende Rolle spielt.

Bad Sodener Erklärung

In immer mehr Firmengebäuden sowie Häusern und Wohnungen werden Smart Building-Techniken eingesetzt – jedoch stehen die vernetzten Systeme auch im Verdacht, das Ausspionieren von Unternehmen zu ermöglichen oder internetversierten Einbrechern sogar spurenlos die Türen zu öffnen.

Auf der „Smart Home Security-Konferenz“ in Bad Soden am Taunus diskutierten Experten von Industrie, Verbänden, Behörden, Versicherungswirtschaft und zertifizierenden Instituten jetzt Kernfragen zum Thema. Eines der Ergebnisse ist die „Bad Sodener Erklärung“, die Bürgern, Medien, Politik und Verwaltung wichtige Fakten rund um sichere Smart Buildings aufzeigen und konkrete Hilfestellungen für Entscheidungen bieten soll.

Sebastian Brose, Einbruchschutzexperte bei VdS und neben zahlreichen weiteren Fachleuten Mitunterzeichner der Erklärung, betont: „Smarte Gebäude sind grundsätzlich sicherer als konventionelle – wenn die vernetzten Produkte fachgerecht installiert und durch die weiter unverzichtbare mechanische Sicherungstechnik ergänzt werden. Dann kann das Gebäude sich sogar gegen einen erkannten Einbruchversuch `wehren´, indem es den Täter durch das Einschalten von Lichtern sowie mit Sprachansagen verunsichert und einen Sicherheitsdienstleister herbeiruft.“

Tipps und Informationen, wie genau das sichergestellt werden kann, bietet die Bad Sodener Erklärung. Sie rät u.a., dass Smart Home-Produkte, wenn sie auch sicherheitstechnische Funktionen übernehmen, durch unabhängige Prüfstellen wie VdS zertifiziert sein sollen. Von Do-it-yourself-Montage wird abgeraten, damit die hohe Produktqualität nicht durch typische Einbaufehler konterkariert wird – schließlich betont die Polizei, dass schon bei konventionellen Sicherungstechniken der Hauptgrund für trotzdem erfolgte Einbrüche Montagemängel sind. Nur eine fachgerechte Installation qualitativ hochwertiger Produkte durch zertifizierte Fachleute schützt zuverlässig. Die komplette Bad Sodener Erklärung unter: vds.de/infothek

Ausbildungspreis des BDSW für Gegenbauer

 

Im Rahmen der Ausbildungstagung im Oktober diesen Jahres, die in Kooperation mit der BDA Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände stattfand, wurde der  8. Ausbildungspreis an die Gegenbauer Sicherheitsdienste GmbH vergeben. Der BDSW lobt den Ausbildungspreis jährlich an einen Ausbildungsbetrieb, der sich in besonderer Weise im Bereich Ausbildung engagiert, aus. „Entscheidendes Kriterium für die Juryentscheidung war das umfassende Konzept, mit dem Gegenbauer sich um die Auszubildenden kümmert“, so BDA Vizepräsident Dr. Gerhard Braun in seiner Laudatio.

„Wir freuen uns wirklich außerordentlich über diesen Ausbildungspreis, auch wenn es nicht der erste für Gegenbauer ist. Doch gerade im Bereich der Sicherheitsdienste engagieren wir uns schon lange für die Stärkung eines eigenständigen Berufsbildes sowie für gut ausgebildeten Fachkräftenachwuchs. Dass unsere vielfältigen Bemühungen um unsere Auszubildenden, beginnend beim Recruiting, über die Bindung an das Unternehmen durch besondere Benefits bis hin zu sozialen Aspekten, nun mit dem Ausbildungspreis des BDSW honoriert werden, ist unserem Unternehmen sowie allen Ausbildern besonderer Anreiz, unser Wirken engagiert fortzusetzen,“ so Rainer Ehrhardt, Geschäftsführer der Gegenbauer Sicherheitsdienste GmbH.